Landesfachabteilung Leitungstiefbau
28.12.2011 - Unter dem Titel „Aufrüstung Telekommunikation – Chancen für Bau und Montage“ hatten unter Federführung des Bauindustriever-bandes NRW e. V., Landesfachabteilung Leitungstiefbau, der Rohrlei-tungsbauverband e. V., der Fachverband Fernmeldebau e. V. und das Institut für Bauforschung e. V. am 21. September zu einem Symposium nach Ratingen eingeladen. Im Fokus der Veranstaltung stand der Ausbau des Breitbandnetzes zur Aufrüstung der Telekommunikation sowie der von der Bundesregierung vorangetriebene Ausbau einer flächendeckenden Ausdehnung, der Netzbetreiber und Leitungsbauunternehmen vor große Herausforderungen stellt.
Die Vorträge beleuchteten die wirtschaftliche Bedeutung des Breitband-netzes, die gestiegenen Anforderungen an ein leistungsfähiges Breit-bandnetz, die Aufrüstung des Netzes in anderen Ländern, die notwendige Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit des Netzes sowie die Bedeutung einer sicheren Verlegung zur Vermeidung von Schadenseintritten. Es wurde deutlich, dass die hiermit verbundenen Ziele und Aufgaben weit über den von Leitungsbauunternehmen auszuführenden Teilbereich Bau und Montage hinausgehen. Ebenfalls erwähnenswert ist ein Positions-papier, das die Landesfachabteilung Leitungstiefbau des Bauindustrie-verbandes zum Symposium vorgelegt hat. Sein Inhalt fand bei den Teilnehmern große Beachtung.
Informationen über wirtschaftliche Möglichkeiten eines modernisierten
Breitbandnetzes standen in Ratingen im Fokus
Wirtschaftliche Bedeutung
Unternehmen, die in Zeiten der Globalisierung erfolgreich sein wollen, sind auf ein funktionstüchtiges und schnelles Informations- und Daten-übertragungssystem angewiesen – das veranschaulichte Roland Schäfer, Präsident des Deutschen Städteund Gemeindebundes und Bürgermeister der Stadt Bergkamen in seinem Vortrag. Von diesen Unternehmen werden Daten in großer Menge und kurzer Zeit zu Partnern in anderen Ländern gesendet und in kurzer Zeit Antworten erwartet. Mit den vorhandenen Anlagen lassen sich die Datenmengen kaum übertragen. Deshalb stellt die am Standort des Unternehmens angebotene bzw. vorhandene Netz-kapazität einen wesentlichen Faktor dar. Betriebsansiedlungen werden nicht zuletzt unter diesem Gesichtspunkt entschieden, weil die Geräte für das Kommunikationssystem teurer sind und auf das leistungsfähige Netz abgestimmt werden. Beispiele für solche Betriebsansiedlungsdiskus-sionen konnte Schäfer nennen.
Gestiegene Anforderungen
Das in den 90er Jahren gebaute Glasfasernetz war zu seiner Zeit leis-tungsfähig, diente vorwiegend aber der Rundfunk- und Telekommu-nikation. Erhebliche Fortschritte wurden inzwischen sowohl in der Kabeltechnologie als auch beim Bedarf von Datenübertragung von Wirtschaftsbetrieben gemacht. Es werden heute unter anderem von Textilbetrieben auf Planungsrechnern Tausende von Schnittmustern entwickelt, die in kürzester Zeit an die Herstellbetriebe im Ausland gesendet werden müssen. Die Kommunikation immer komplexerer Daten lässt sich zwar mit teureren Endgeräten, nicht jedoch mit dem vorhan-denen Netz leisten. Das Netz bedarf der Aufrüstung oder eines Neubaus. Der Netzbetreiber Telekom sucht deshalb die Zusammenarbeit mit den Kommunen und hat für den November/Dezember diesen Jahres Infotage angekündigt.
Was tun andere Länder?
Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW lässt den Breitbandausbau aufgrund seiner Bedeutung als zentrale Infrastrukturaufgabe von der Bergischen Universität Wuppertal begleiten. Michael Fromm von der Bergischen Universität zeigte auf, dass sich das Datenübertragungsvolumen zwischen 2005 und 2010 verfünffacht und das durchschnittliche Datenvolumen pro Anschluss und Monat in diesem Zeitraum verdoppelt hat. Der Ausbau des Netzes wird daher immer dringlicher, zumal eine Ertüchtigung in Nordrhein-Westfalen bisher auf die Großstädte beschränkt blieb. Andere Länder sind auf diesem Weg viel weiter. Bei der sogenannten Haushaltspenetration nimmt Deutschland den für eine Industrienation nicht akzeptablen 18. Rang ein. Gründe für die Zurückhaltung sind seitens der Betriebe der hohe Investitionsbedarf und die unzureichende Zahlungsbereitschaft der Kunden für Glasfaseran-schlüsse.
Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit
Werden Glasfaserkabel ohne Tiefbau verlegt, entstehen Kosten von etwa 20.000 Euro/km. Tiefbauverlegungen, bei denen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Störungsfreiheit erreicht wird, erfordern dagegen im Schnitt rund 50.000 Euro/km. Bei der Bedeutung des Netzes und des störungsfreien Betriebs sollten die erhöhten Abschreibungen und Nutzungskosten durch den Tiefbau akzeptabel erscheinen. Mit dieser Frage beschäftigte sich auch das Positionspapier der Landesfachab-teilung Leitungstiefbau, auf das der Vorsitzende Dipl.-Ing. Wolfgang Krah in seinem Referat nochmals einging. Aus der Sichtweise des Unternehmers machte er deutlich, welche Auswirkungen Störungen in der Kommuni-kation für die Betriebsabläufe haben können. Sie übersteigen die Kosten der Netznutzung meist erheblich. Eine geschützte Verlegung der Leitungen durch angemessenen Tiefbau sichert daher dauerhaft und nachhaltig die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Netzes.
Schadenspotenziale
Mit möglichen Schäden an Leitungsnetzen sowohl bei der Verlegung als auch nach dem Verlegen beschäftigt sich das Institut für Bauforschung e. V., Hannover. Anhand von Praxisbeispielen und Untersuchungsergeb-nissen zeigte Heike Böhmer vom IFW Ursachen von Schäden auf und stellte Präventionsmaßnahmen vor. Für eine positive Entwicklung der Nachhaltigkeit sind die Schulung und Motivation der Ausführenden entscheidend. Auch der interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Projektbeteiligten kommt zur Prävention von Schäden große Bedeutung zu.
Ausblick
Der von der Bergischen Universität geschätzte Investitionsbedarf für den bundesweiten Breitbandausbau liegt bei 60 bis 80 Mrd. Euro. Damit der Ausbau rasch, sicher und nachhaltig erfolgen kann, sind höchste Anstrengungen aller Beteiligten erforderlich, um noch bestehende Hindernisse auszuräumen und gemeinsame Lösungen zu suchen. Gesucht wird die Beteiligung der Bauindustrie, um Innovationen für kostensparende Verlegemethoden im Tiefbau zu entwickeln. Erste Ansätze hierzu sind bereits im vorgelegten Positionspapier erkennbar. Die mit der Vorbereitung des Symposiums beauftragte Gesellschaft für Bauqualität und Technik mbH – GBT ist aufgefordert, Innovationen zu fördern und die Zusammenarbeit der einzelnen Projektbeteiligten zu unterstützen. (Quelle: LFA NRW)
rbv-Präsident Dipl.-Ing. Klaus Küsel moderierte die Diskussion mit
dem Plenum
Das verwendete Folienmaterial der verschiedenen Referenten wird auf Anfrage gern zur Verfügung gestellt. Bitte wenden Sie sich in dem Fall an die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Bauqualität und Technik mbH – GBT, Frau Dipl.-Ing. Annette Zülch:
zuelch-gbt@bauindustrie-nrw.de.
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